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Im Fokus: Ressort Integration

"Es geht auch um die soziale Integration in die Arbeitswelt und letztlich in unsere Gesellschaft."

Thomas Pfiffner, Leiter des Ressorts Integration, spricht über die vielseitigen Chancen der beruflichen Eingliederung und warum die Weiterentwicklung IV wichtige Verbesserungen bringen wird. 

Herr Pfiffner, Sie sind im Vorstand der IVSK für das Ressort Integration zuständig.
Integration ist ein grosser Begriff… wofür steht er im Rahmen der IV-Stellen-Konferenz und Ihres Ressorts Integration?

Berufliche Eingliederung ist ein Kerngeschäft und eine Kernkompetenz der IV-Stellen. Die Begriffe "Integration" und "Eingliederung" werden synonym verwendet. Wir verstehen unter beruflicher Eingliederung die vollständige beziehungsweise teilweise Integration unserer versicherten Personen im ersten Arbeitsmarkt. Die versicherten Personen werden also darin unterstützt, eine Arbeitssituation aufrechtzuerhalten oder zu erlangen, die ihnen im Rahmen ihres Eingliederungspotenzials den selbstständigen Erwerb ihres Lebensunterhaltes ermöglicht. Die IV-Stellen unterstützen Jugendliche und junge Erwachsene mit gesundheitlichen Einschränkungen bei ihrer erstmaligen beruflichen Ausbildung.

In welchen Bereichen kann sich das Ressort bzw. die IVSK in Bezug auf die Integration einbringen, wo dies für andere Akteure, z.B. die Mitglieder (IV-Stellen) selbst, schwieriger ist?

Das Ressort Integration steht in engem Dialog mit der Bereichsleitung Berufliche Integration des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV). Gemeinsam werden die Instrumente der beruflichen Eingliederung im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben weiterentwickelt und Lösungen für anstehende Herausforderungen in der Durchführung erarbeitet. Das Ressort Integration kann Empfehlungen formulieren, die den IV-Stellen für die Gestaltung ihrer Dienstleistungen und Prozesse hilfreich sein können. Zudem vernetzt sich das Ressort Integration auf nationaler Ebene mit wichtigen Akteuren der beruflichen Eingliederung.

Um gleich daran anzuknüpfen: Im Bereich Integration/Eingliederung sind Partnerschaften von grosser Bedeutung. Welches sind Ihre wichtigsten Partner, und welche Rolle spielt hier die IVSK?

Die wichtigsten Partner der IV-Stellen in der beruflichen Eingliederung sind die Arbeitgeber des ersten Arbeitsmarktes, die behandelnden Ärzte und die Leistungserbringer, die im Auftrag der IV-Stellen Dienstleistungen für versicherte Personen erbringen. Von zentraler Bedeutung ist hier die Vernetzungsarbeit vor Ort, in den Kantonen, durch die einzelnen IV-Stellen. Im Rahmen der Ressorttätigkeit spielt sich diese Zusammenarbeit mehrheitlich auf Verbandsebene ab. So sind wir beispielsweise im Vorstand und im Think Tank von Compasso vertreten. Compasso ist ein Verein, der unter dem Patronat des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes steht und sich als Informationsportal für Arbeitgeber mit dem Fokus auf Früherkennung und Frühintervention sowie berufliche Wiedereingliederung versteht.

Ein anderes grosses Thema in Ihrem Ressort ist das Kontraktmanagement. Warum ist es so wichtig und welche Aufgaben werden dort abgedeckt?

Im Jahr 2013 hat das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) die Organisation von Vereinbarungen der IV mit externen Leistungserbringern an die IV-Stellen delegiert. Während einige grosse IV-Stellen zu diesem Zweck eigene Strukturen aufbauten, haben sich andere zu regionalen Kontraktmanagementstellen zusammengeschlossen. So deckt beispielsweise das Kontraktmanagement Ostschweiz die Kantone Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Glarus, Graubünden, St. Gallen, Schaffhausen und Thurgau ab. Die verschiedenen Kontraktmanagementstellen in der Schweiz stehen untereinander in Kontakt und sind in regelmässigem Austausch. Dies mit dem Ziel, schweizweit harmonisierte und gleichzeitig auf die regionalen Gegebenheiten angepasste Leistungsvereinbarungen und Tarife zu entwickeln. Diese nationale Koordination ist im Sinne der Rechtsgleichheit von grosser Bedeutung und wird im Wesentlichen durch die Arbeitsgruppe Kontraktmanagement des Ressorts unterstützt.

Der diesjährige Leitsatz der IVSK heisst „Integration vermittelt Perspektiven“ und bezieht sich auf Ihr Ressort. Wie würden Sie diesen Satz der Öffentlichkeit erklären?

Wenn wir jemanden kennen lernen, stellen wir in der Regel zuerst folgende drei Fragen: "Wie heissen Sie? Woher kommen Sie? Was arbeiten Sie?" Arbeit hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert und ist Teil unserer Identität. Keine Arbeit zu haben ist für die betroffenen Personen daher in der Regeln nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine psychosoziale Belastung. Bei der beruflichen Eingliederung der IV geht es somit nicht nur um die Erlangung eines Erwerbs oder Teilerwerbs, sondern auch um die soziale Integration in die Arbeitswelt und letztlich in unsere Gesellschaft. Oft erleben wir versicherte Personen beim Beginn eines Eingliederungsprozesses verunsichert und unter Zukunftsängsten leidend. Doch vielfach gelingt es, gemeinsam wieder Vertrauen in die eigenen Ressourcen aufzubauen, sich für neue Ziele zu öffnen und Wege in eine erstrebenswerte berufliche Zukunft zu finden. Aber auch für die Wirtschaft, die in naher Zukunft wohl noch stärker unter dem Fachkräftemangel leiden wird, kann die berufliche Integration von Menschen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung eine Chance oder eben eine Perspektive sein.

Wir starten in ein neues Jahr. Welches ist für Sie das wichtigste Projekt für 2019? Was liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen?
 

Nachdem im 2018 die aktuelle IV-Revision, genannt "Weiterentwicklung IV", in den zuständigen Kommissionen von National- und Ständerat vorberaten wurde, wird die Gesetzesrevision voraussichtlich 2019 in den eidgenössischen Räten bearbeitet werden. Die "Weiterentwicklung IV" beinhaltet wichtige Verbesserungen für die berufliche Eingliederung. Dies insbesondere mit Fokus auf Jugendliche, junge Erwachsene und auf Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Entsprechend wird das Ressort Integration die politische Diskussion mit Interesse verfolgen. Je nach zeitlichem Verlauf des Gesetzgebungsprozesses wird sich das Ressort bereits in diesem Jahr mit Fragen der Umsetzung der Gesetzesänderungen auseinandersetzen. Es liegt eine spannende Zeit vor uns.           

Steckbrief

Name: Thomas Pfiffner
Im Vorstand der IVSK seit: 01.10.2018
Funktionen: Leiter IV-Stelle Graubünden, Vorstandsmitglied IVSK
Spezialgebiete: Gesundheitswesen, Mental Health, Prozess- und Qualitätsmanagement
Mein Zitat: Alle sagten: "Das geht nicht." Dann kam einer, der wusste das nicht und hat's einfach gemacht.
"Wenn ich nicht arbeite…: ...dann spaziere ich mit meinem Hund durch die wunderbare Bergwelt Graubündens, geniesse die Natur und ein ordentliches Stück Bünderfleisch aus dem Rucksack."

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