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Im Fokus: Ressort Interne Dienstleistungen

Rolf Born über die Stärkung der Ressorts in der IVSK und die Bedeutung des Leitsatzes "Interne Dienstleistungen für externe Wirkung"


Herr Born, Sie sind im Vorstand nicht nur Leiter des Ressorts Interne Dienstleistungen, sondern auch als Mitglied neu bei der IV-Stellen-Konferenz. Welches sind lhre ersten Eindrücke der IV-Stellen-Konferenz? Was hat Sie am meisten überrascht?

In der Konferenz aller IV-Direktorinnen und Direktoren bin ich als Quereinsteiger und Neuanfänger sehr freundlich sowie kollegial aufgenommen und sofort integriert worden. Das spürbare Engagement und die Freude an Tätigkeiten und dem Wirken für das Kerngeschäft, insbesondere die Betroffenheit durch die öffentliche Kritik an unseren Leistungen, zeigen zudem eine hohe Loyalität und Verbundenheit der IV-Stellenleitenden mit ihren Mitarbeitenden und der IV auf.
Überrascht haben mich zuerst die unterschiedlichen Haltungen vom Bundesamt für Sozialversicherungen und der IV-Stellen-Konferenz. Schnell hat aber zur Erleichterung beigetragen, dass der Vorstand sich mit grossem Einsatz zusammen mit den BSV-Vertreterinnen und Vertretern für eine klare Rollenklärung, eine konstruktive und zielführende Zusammenarbeit, aber auch für eine Abgrenzung zwischen Aufsicht und Durchführung einsetzt. Gerne leiste ich auch einen Beitrag dazu, dass sich die IVSK weiterhin als kompetente, agile und fokussierte Interessenvertreterin der IV-Stellen profiliert und für ihre Mitglieder effiziente, zielführende und wirkungsvolle Dienstleistungen erbringt. Mit den bereits initiierten und an der letzten Vereinsversammlung eingehend diskutierten Veränderungen befindet sich die IVSK auf gutem Kurs, um die anstehenden Herausforderungen zu Gunsten einer schlagkräftigen IV kompetent bewältigen zu können. Dazu kann jedes Mitglied massgebende Beiträge leisten.

Sie leiten im Vorstand das Ressort Interne Dienstleistungen, das einen grossen Aufgabenbereich umfasst. Welches sind die wichtigsten Herausforderungen, die das Ressort zurzeit beschäftigen?

In erster Linie muss ich mir schnell die notwendigen Fachkenntnisse aneignen und auch die Verknüpfungen mit den anderen Ressorts sowie die Auswirkungen von Empfehlungen besser erkennen. Mit der hängigen Reorganisation und der Statutenrevision wird eine deutliche Stärkung der Ressorts angestrebt: Künftig kommt ihnen eine grössere Bedeutung zu und in ihrem Rahmen muss eine kompetente, professionelle und umfassende Basisarbeit geleistet werden. In diesen Zusammenhang gehört auch die Klärung der Mitwirkung und Zusammenarbeit mit den BSV-Vertreterinnen und Vertretern. Das Ressort Interne Dienstleistungen ist bereits mit den dafür notwendigen, fachlich versierten Personen besetzt und wird daher die neue Organisation zielführend umsetzen können. Beschäftigen wird uns vor allem die versicherungsmedizinische Qualitätssicherung, wohl weiter auch die Frage des Öffentlichkeitsgesetzes sowie die Vorbereitungen zur Umsetzung der revidierten Gesetzesbestimmungen der Weiterentwicklung der IV.

Welche Schwerpunkte werden Sie in diesem Jahr im Ressort setzen?

Wir wollen uns gemeinsam bei allen Geschäften am Leitsatz «Interne Dienstleistungen für externe Wirkung» orientieren: Dies bedeutet für unsere Mitglieder und auch für die IV sowie in der externen Wahrnehmung jeweils optimale Grundlagen zu erarbeiten, um in unserem Zuständigkeitsbereich zeitgemässe sowie effiziente Arbeitshilfen für den täglichen Gebrauch sicherzustellen.
Die Schwergewichte werden dabei von der Weiterentwicklung der IV und den jeweils brennenden Tagesgeschäften diktiert. Wichtig ist mir auch, dass wir uns gemeinsam auf die Auftragserfüllung fokussieren und damit die vorhandenen Ressourcen und die Bereitschaft zur konstruktiven Mitarbeit in den IVSK-Gremien effizient einsetzen können.

Jürgen Böhler über die Wichtigkeit der Qualitätssicherung von Gutachten und wie die ERFA RAD die fachliche Diskussion in der IVSK ergänzen kann.

Herr Böhler, Sie vertreten an den Sitzungen des Ressorts Interne Dienstleistungen die ERFA RAD.
Können Sie kurz erklären, für welche Themen Sie dort zuständig sind?

Grundsätzlich geht es um alle Fragen, in denen die Regionalen Ärztlichen Dienste unmittelbar oder mittelbar betroffen sind. Prioritär sind dies Fragen betreffend Gutachtenqualität und Gutachtenmanagement, medizinische Beweisdichte, versicherungsmedizinische Evidenz, geeignete medizinische Formen der Abklärung, Beförderung der Integration durch versicherungsmedizinisches Know-how und Umgang mit neuen medizinischen Entwicklungen im versicherungsmedizinischen Umfeld. Hierbei vertrete ich die konsensuelle Meinung der RAD-Leitenden, die sich viermal im Jahr zu einem Erfahrungsaustausch (ERFA) treffen. Ziel der ERFA ist es hierbei einen Grundkonsens über versicherungsmedizinische Gesichtspunkte im IV-Prozess zu erzielen und diese als fachliche Ergänzung in die IVSK einzubringen. Dabei lohnt es sich, die innerhalb der ERFA gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen auch selbstverantwortlich und argumentativ überzeugend darlegen zu können.

Ein sowohl innerhalb der IVSK als auch in der Öffentlichkeit stark diskutiertes Thema sind die medizinischen Gutachten.
Wo sehe Sie hier die dringendsten Handlungsbedarfe?

Das BSV hat eine Arbeitsgruppe zur «versicherungsmedizinischen Qualitätssicherung in der IV» ins Leben gerufen. Hierbei soll ein schweizweit einheitliches Tool zur versicherungsmedizinischen Qualitätsbeurteilung von mono-, bi- und polydisziplinären Gutachten entwickelt werden. Damit soll sichergestellt werden, dass alle Gutachten auf der Basis einer gleichen Bemessungsgrundlage beurteilt und den Gutachtern selbst auch ein konstruktives Feedback gegeben werden kann.

Ein zweiter Punkt betrifft die Beurteilung der gutachterlichen Situation durch die versicherte Person selbst. Hier kann durch das Ausfüllen eines validierten Fragebogens zur persönlichen Erfahrung mit der Begutachtung ein weiterer Beitrag zur Qualitätssicherung geleistet werden.

Drittens sollte die Akkreditierung von Gutachtern künftig einheitlich über eine entsprechende Qualifikation oder bestenfalls einen Fähigkeitsausweis geregelt werden.

Wie beurteilen Sie die öffentliche, oft kritische Diskussion zu den medizinischen Gutachten?

Die öffentliche Diskussion zeigt, dass offenbar das Vertrauen in die IV und ihre internen und externen medizinischen Experten ausbaufähig ist. Hilfreich ist nur eine sachliche Diskussion ohne Polemik. Unter ausgewiesenen Fachleuten sind objektive Diskussionen auch in der momentan aufgeheizten Situation möglich und zielführend. Die öffentliche Diskussion in der heutigen multimedialen Landschaft birgt gegenwärtig die Gefahr, dass Sachverhalte verkürzt und plakativ dargestellt und daraus unlautere Schlüsse gezogen werden. Einzelne Personengruppen werden so instrumentalisiert, was im Nachhinein einer guten Lösung im Wege steht. Beispiele sind die in gewissen Medien dargestellte finanzielle Abhängigkeit medizinischer Gutachter von ihren Auftraggebern oder die Forderung, die Qualität von Gutachter nach dem Grad Ihrer attestierten Arbeitsunfähigkeit zu beurteilen. Solche Aussagen sind weder sachlich noch wissenschaftlich haltbar. Förderlich sind jedoch ein Mehr an Transparenz im Gutachterwesen, einheitliche Kriterien zur Qualitätsbeurteilung von medizinischen Gutachten und Massnahmen zur Qualitätssicherung/-Verbesserung sowie eine optimierte Ausbildung und Fortbildung von Gutachtern.
 

Wo konnten Sie in diesem Jahr Fortschritte erzielen? Was ist Ihr grösstes Anliegen?

 Die bessere Anbindung der RAD an die IVSK über ihren Einsitz im Ressort Interne Dienstleistungen führt zu mehr Verständnis, Vertrauen und konstruktivem Austausch. Versicherungsmedizinische Aspekte können so besser in die gemeinsamen Überlegungen einfliessen. Ein wichtiges Thema wird, wie schon erwähnt,die zukünftige Qualitätssicherung von medizinischen Gutachten im Rahmen der Weiterentwicklung der IV sein.

Was bedeutet für Sie der diesjährige Leitsatz der IVSK «Interne Dienstleistungen für externe Wirkung»?

 Die Optimierung interner Prozessabläufe auch gerade in den Schnittstellen der IV kommt den versicherten Personen direkt zugute und trägt zu einer positiven Aussenwirkung bei.